Mittwoch, 3. Oktober 2012

Seit einem Monat in Semarang...

Seit einem Monat bin ich nun genau in Indonesien und es ist viel passiert.
Die erste Zeit ist wie im Fluge vergangen und nun habe ich mich soweit in meine Arbeitsstelle eingelebt. 

Mein Projekt ist eine ,,Nuansa Mandiri", was so viel wir ,,unabhängige Bank" bedeutet. 

Frida und Ich mit der Kerngruppe der Kooperasie

Die Frauen, die ein eigenes Unternehmen gründen oder bereits eins besitzen und Unterstützung benötigen, kriegen Kleinstkredite. Meistens handelt es sich zwischen 30€ und 100€, die sie zu einem sehr geringen Zinssatz über Jahre in täglich in 10 Cent-Schritten abbezahlen.Diese Kredite würde keine normale Bank ausleihen und schon garnicht mit der Möglichkeit ein, zwei Tage oder ja, auch mal einen Monat nicht zurückzuzahlen. 
Unsere Kooperasie ist allerding deutlich mehr als nur eine ,,Bank". 
Die Projektleiterin bezeichnet sie gerne als große Familie, in der die Frauen auf Unterstützung und Rückhalt bauen können. 

Kleine Auswahl der Mitglieder beim Hallalbillhalla
Es gibt verschiedenste Angebote, von Verhütungsberatung bis Blutdruckmessungen über Krankenbesuche (meistens mit Geldspende ;) ). Wichtig ist, dass die Frauen Vertrauen aufbauen und sich mit ihren Sorgen und Nöten nicht alleine gelassen fühlen.

Es gibt zwei Aufgabenfelder, die Administration und die Arbeit auf dem Markt.
Frida und ich werden uns monatsweise abwechseln und ich war nun die erste Zeit in der Office.
Meine Hauptaufgabe war, den Geldfluss aufzuschreiben und in hunderte Bücher zu übertragen. 

Hier bedeutet Buchhaltung wirklich noch Buchhaltung. (Und das bei meiner Krakelschrift!)
Man muss wirklich sagen, dass Übersichtlichkeit und Ordnung hier in Indonesien nicht besonders hoch gehalten werden, aber mit der Zeit weiß man dann auch den Unterschied zwischen Namen wie ,,Supami" oder ,,Suparni" oder ,,Yuniarti" und ,,Yunianti".

Buchhaltung mit BaIka
Die Arbeit auf dem Markt bedeutet eigendlich das Einsammeln der Kreditsätze.
Das heißt, dass wir bei 37° um 12 Uhr Mittags über den stickigen Markt laufen und Geld einsammeln.

Der erste Tag auf dem Markt, daher zu zweit
Da wir als ,,Weiße" meistens die Hauptatraktion des Tages sind, wird es manchmal doch anstrengend die ganzen neugierigen Menschen um einen herum freundlich anzulächeln, mit Geld und Zetteln zu hantieren, zwischen durch etwas zu trinken, damit man vor Hitze nicht umkippt und gleichzeitig seine Arbeit korrekt auszuführen.
Einer der wenigen männlichen Mitglieder
In meinem Leben hab ich noch nie so geschwitz wie hier. 
Aber schon jetzt bin ich dankbar für das, was ich in nur einem Monat erlebt habe und glücklich, in einem Projekt zu sein, dass zu keiner Micro-Kredit-Mafia gehört, sondern sich wirklich um die Mitglieder kümmert.

Zwischendurch, während des Arbeiten auf dem Markt, eine kleine Erfrischung :D